Schockerberg 2015

Mit Zaubertrank haben sich alle lieb

Schongau – Viereinhalb Stunden beste Unterhaltung – das war der Schockerberg der Schongauer CSU am Wochenende. Dabei jagte ein Höhepunkt den nächsten.

Das Fastenprediger-Duo hat vergangenes Jahr nicht so richtig gezündet. Alleine klappt es bei „Paulator“ Paul Huber besser. Er bringt Gereimtes witzig rüber, wie das Thema Kino, bei dem der gesamte Stadtrat von den Fortschritten Michael Asams überrascht worden war, obwohl man sich tags zuvor gesehen hatte („fünf Stunden saß er dort vor Ort, leider kam er nicht zu Wort“). Er mischte aber auch Nachdenkliches ein, wie Kritik an fehlenden Altenheim-Investitionen oder die Aufregung des Freihandeslabkommen TTIP mit den Chlorhühnchen: „Im Plantsch tauchen die Leute auch ins Chlorbad ein.“

Für eine richtige Überraschung sorgte danach aber Marianne Porsche-Rohrer. Die kam verkleidet als bittere Pille, brillierte wie immer mit ihren auswendig gelernten Reimen – und wurde anders als früher richtig bissig lokalpolitisch. Sie lobte die guten Manieren von Bürgermeister Falk Sluyterman, wenn da nur die Sprache nicht wäre. Aber „vielleicht ist mit ein paar Tabletten, der rote Preuße noch zu retten“. Ähnliches gelte für das Sächsisch von Krankenhaus-Chef Thomas Lippmann – mit einem Seitenhieb auf dessen Hyperaktivität: „Und ein paar Sächsisch-Vermeidungspillen könnten den starken Redefluss stillen.“

Auch Stadtrat-Kolleginnen bekommen ihr Fett weg: „Die rote Queen Ilona Böse, macht gern im Stadtrat viel Getöse. Sie tönt und plappert viel und lange, dem Bürgermeister wird’s ganz bange. Macht das Geplapper auch nicht viel Sinn, Hauptsache, man steht in der Zeitung drin. Auch Frau Buresch schafft es ganz geschwind, dass die Sitzungen schier unendlich sind.“ Starker Tobak.

Nicht politisch, aber dafür völlig vogelwild war anschließend der Auftritt von Markus Wühr alias Luis aus Südtirol, der mit seinen „zweiten dritten Zähnen bestellt bei E-Bay“ (original angepasst von Stadtratskollege und Zahnarzt Dr. Oliver Kellermann) so schüchtern bei den Frauen ist, dass er ganz verwirrt war, als Angelina Jolie ihm bei einem Urlaub auf seinem Bauernhof einen Zungenkuss verpassen wollte. Von der chinesischen Stimme beim Navigationsgerät, der er mit Falschfahren testet, über seinen Job als singender Verkehrspolizisten bis zu seinen Sterlisierungsversuchen war die rasende Darbietung an Absurdität kaum zu überbieten – aber extrem lustig.

Das galt auch fürs Singspiel, wobei anfangs nicht so ganz klar war, dass die Gallier als „Zentrum der Aufständischen“ die bayerische Staatsregierung darstellen sollen, die sich gegen die Ausplünderung durch den Bund (also die Römer) über den Länderfinanzausgleich wehren. Erster Brüller ist die Tanzeinlage der drei Römer (Michael Reith, Kellermann, Max Bertl), die danach böse verprügelt zu Kaiserin Angela (Anna Eberle) und ihrem Wächter (Florian Stögbauer) eilen. Angela will es mit Kriegskonsulin Ursula (Julia Eberle) den „trinkfesten und arbeitsscheuen Bayern“ zeigen, doch die Ausrüstung ist morsch und die Pferde als Lasagne verspeist – egal. Doch die Gallier/Bayern haben ein Problem: Druide Stoiberix (Luitpold Braun) hat das Zaubertrank-Rezept vergessen, und alle Versuche von Asterix (Thomas Hennecke), Obelix (Michael Eberle), Troubadix (Andreas Mock) , Verleihnix (Thomas Schleich) und Majestix (Robert Stöhr als Seehofer) fruchten nicht: „Was das für ein Kack ist, das Rezept ist ja von Varoufakis“, schimpft Stoiberix.

Als die Römer schließlich angreifen, fährt plötzlich Ludewix (Robert Kassebaum als Ludwig II.) auf einem Schwanenwagen in den Saal – und alles wird gut: Bayern ist frei, dafür bekommt Angela einen Schluck Zaubertrank, „so kannst Du 20 Jahre noch regieren“ – eine wirklich gelungene Aufführung, die Gäste fangen bereits zum Schunkeln an.

Doch dafür ist kurz darauf keine Zeit mehr, wenn Jürgen Fischer und seine Schönachdorfer Feuerwehrkapelle eine unfassbare Sprüchebatterie abfeuern. „Schongau gehört mit Peiting zum Teil der Welt, wo der Hund mit dem Hintern bellt“, spottete er. Für den Landtagsabgeordneten Harald Kühn etwa, „der sich verlaufen hat“, müsse ein eineinhalbfacher Tusch reichen – die nächste Wahl sei einfach zu weit weg. Hintersinnig wird es, wenn Fischer die Beleuchtung am Rednerpult einschaltet und wirbt: „Kommt nach Hohenfurch, wir haben Licht und Kraft.“ Den wegen der „Rollator-Rennen“ abgesperrten Sonnengraben spießte Fischer zur Musik von „Tage wie dieser“ ebenso auf wie den Schmuse-Stadtrat, „bei dem am Schluss eh der Knecht entscheidet“.

Plötzlich kommt ein Kapellenmitglied als Skifahrer mit uralten Holzbrettern und ebenso uraltem blauem Skigewand auf die Bühne, der Fritz Dopfer darstellen soll. Fischer nennt ihn konsequent Felix (Neureuther) und jubelt: „Schongau ist Vize-Weltmeister, die Talenteschmiede im Oberland, das Tor zur Welt“ – so einen Empfang müsse Bürgermeister Sluyterman erst einmal toppen.

Das Publikum darf mitreimen, auch die schmutzigen Witze kommen blendend an, und Zugabe und Höhepunkt des Abend ist der Spielplatz-Check der Schongauer CSU, den Fischer im Stil einer Radio-Konferenzschaltung moderiert. Da bleibt Eberle unter anderem in der Rutsche stecken und muss freigeschnitten werden, Peter Blüml versucht, dem Schaukelpferd, Bärwurz einzuflößen – der Saal tobte. Für diesen Abschluss eines gelungenen Abends ein Wort: grandios.

Boris Forstner

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