Schockerberg 2011

Schockerberg in Schongau

Schongau – Hintersinnig statt hinterfotzig: Das war der „Schockerberg“ der CSU Schongau auch in diesem Jahr – und mehr als 650 amüsierten Gästen hat das bei Starkbier und Schweinebraten richtig gut gefallen.

Den Spiegel vorgehalten und den Finger in Wunden gelegt – aber nicht zu tief! Beim ersten „Schockerberg“ – das Schongauer Pendant zum Münchner Nockherberg – der CSU Schongau nach zwei Jahren Pause wurde die Lokalprominenz ordentlich aufs Korn genommen. Und zwar, ohne dabei die „Political Correctness“ aus den Augen zu verlieren.

Geschont haben sich die Christsozialen an den zwei „Schockerberg“-Abenden im Jakob-Pfeiffer-Haus dabei auch selbst nicht. Die Wahlen habe man „gegen den sozialistischen Peppone“ verloren, räumte Markus Wühr als neuer Fastenprediger des Schockerbergs, „Don Marco“ im Pfarrersgewand, ein.

Vieles hat Schongau seither erlebt: Bauhofmitarbeiter, die die Madonna im alten Friedhof gelb anmalen, eine doppelte Abstimmung im Stadtrat und einen Bürgermeister, der sich als „Stehauf-Manderl“ verdient gemacht hat, „damit er sich mit den Geschäftsleuten nicht in die Haare bekommt“, predigte Wühr humorvoll neben einem Mariae-Himmelfahrt-Kirchturm aus Pappmaché ins Volk.

Herzhaft lachen konnte man auch ohne zu viel Schockerbock über den „Lurer-Luggi“ vom „städtischen Überwachungsdienst“ alias Helmut Schmidbauer. Der hat für Schongaus Stadtchef die Kameraüberwachung fest im Griff. Und zwar nicht nur in Sachen Sonnengraben, wo auf Veranlassung der Stadt tatsächlich eine Kamera installiert werden soll. Gedanklich richtete Schmidbauer eine weitere Kamera vor dem Rathaus ein, „da ist ab mittags nichts mehr los“. Eine zweite Linse gab es fürs Schongauer Bad „Plantsch“. Und: „So fett wie’s ab und zu in der Sauna zugeht, hab ich immer an Schnaps dabei“, räumte der Lurer-Luggi freimütig ein.

Gefordert waren die Mitwirkenden beim Singspiel mit Western-Atmosphäre. Der Titel: „Unter Geiern“. Vor der Kulisse des Monument-Valley gab es CSU-Cowboys und SPD-Indianer in aufwändigen Kostümen zu sehen. Eine Augenweide: Luitpold Braun jun., ehemals Fastenprediger, der nun in der Rolle eines schwulen Indianers mit gefedertem Lederstrumpfband brilliert hat.

Mit einem angeschossenen Marschall Guttenberg, den sie wieder zu Kräften singen wollen, endet das Spiel. Doch der Abend ist noch lange nicht vorbei. Nach einem tosenden Applaus gibt es noch den ein oder anderen Schockerbock – und garantiert jede Menge Gesprächsthemen.

Barbara Schlotterer-Fuchs

Schockerberg 2009

Sündig süffige Predigt auf dem Schockerberg

Schongau – Seit Jahren ist der „Schockerberg“ in der Lechstadt eine feste Größe wenn es um feinsinnigen, politischen Humor und süffig gebrautes Starkbier geht.

Doch während in den vergangenen Jahren an zwei Abenden Mitglieder der CSU und der Jungen Union (JU) mit Unterstützung der Stadtkapelle Schongau politischen Witz zum Besten gaben und die Schongauer ins Jakob-Pfeiffer-Haus strömten, fiel der Schockerberg in diesem Jahr deutlich kleiner aus. Hintergrund ist der tragische Tod von Diana Ringelsbacher (JU) im vergangenen Herbst, die bei der Vorbereitung und Aufführung eine maßgebliche Rolle gespielt hatte.

In relativ kleinem Kreis sahen CSU-Mitglieder und Gäste noch einmal das Beste aus elf Jahren Schockerberg. Mehrere Filme zeugten von den unvergessen Auftritten von Luitpold Braun junior, der als Edmund-Stoiber-Double brillierte, wie beispielsweise in dem Stück „Der singende Edi“.

Für Stimmung sorgten ebenfalls die Auftritte von Helmut Schmidbauer als „Adler von Schongau“ und die Darbietungen der JU mit der Geschichte über den Poller oder den Problembären „jj2“. Zwar fiel das Singspiel aus, doch Bruder Barnabas – alias Luitpold Braun junior – ließ es sich nicht nehmen und hielt vor rund 60 Gästen, die ins Schongauer Brauhaus gekommen waren, eine Fastenpredigt. Mit gewohnt scharfer Zunge nahm Bruder Barnabas zu aktuellen politischen Ereignissen Stellung: „Was der Schwed hat nicht geschafft, der K&L, der hat die Kraft, der lässt mit seiner Bagger Pranken, die Mauer gar gefährlich wanken“, dichtete er und meinte anschließend, dass die Mauer jetzt wohl hält. Oder? „Doch wenn nicht, tats sichs eh erst jetzt rentiern, no dats den greisligen Bunker zamplanieren“, meinte Barnabas im Hinblick auf die unansehnlichen Discounter, die zu Füßen der Stadtmauer gebaut werden.

Sein Fett weg bekam auch Landrat Dr. Friedrich Zeller, der, so Barnabas, dem Wahlvolk signalisiert hatte, auf einen Dienstwagen verzichten zu können oder höchstens einen Smart zu brauchen. Doch weit gefehlt, befand der Fastenprediger: „Die Wahl vorbei – Genossen, die Siegesfeier. Da kriegt der Landrat dicke Eier. Ein letztes Foto mit Dienstfahrrad – vergessen ist der kleine Smart, billig verscherbelt wird der Benz, dafür kauft er an BMW, der Stenz. Der ist dunkel, sportlich, schee, kost halt leider´s Dreifache“, reimte Barnabas. Und sogar einen Blick über den großen Teich wagte dieser: „Du neuer Heiland, Gottessohn, bestiegst nun endlich deinen Thron, errette uns aus diesem ird´schen Drama, oh Herr, oh Heiland, oh Bama. Uns spend wenigstens mit Bockbier Trost – uns armen, armen Sündern, Prost!“.

Schockerberg 2008

Wer die Wahl hat… wird ordentlich derbleckt

Schongau – Beim „Schockerberg“ hat die CSU Schongau so richtig ausgeteilt. Kredenzt wurde den 650 Besuchern an zwei Abenden bissige Sprüche und Starkbier.

Bisweilen mag sich so mancher Besucher wie auf einem Interkontinentalflug gefühlt haben beim „Schockerberg“. Denn dass sie Stewardess ist, konnte Christine Sander, die charmant durch den Abend führte, nun mal nicht verbergen. Statt Tomatensaft und Bitterlemon aus Plastikbechern gab’s im Pfeifferhaus „Schockerbock“ im Krug und zum Starkbier obendrein starke Sprüche.

Ausgelassen hat Christine Sander bei der Moderation die Beschreibung des Notausgangs und die Information, wo im Ernstfall die Sauerstoffmasken zu finden sind ­ beides hätte der Lokalprominenz oftmals nicht geschadet, die beim politischen Derblecken nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Allerdings: Geschont hat sich die CSU auch selbst nicht. So zum Beispiel Bruder Barnabas. Auch in diesem Jahr hat es sich Luitpold Braun jun. nicht nehmen lassen, in die Kutte des frotzelnden Mönchs zu schlüpfen.

„Für Schongau wär’s kein Schaden, wenn Landrat und Bürgermeister sich mal verstehen taten“, spielte Barnabas auf die als nicht gerade harmonisch geltende Beziehung zwischen Schongaus amtierendem SPD-Bürgermeister Dr. Friedrich Zeller und CSU-Landrat Luitpold Braun an. Über Letzteren -­ im wahren Leben der Vater von Barnabas – und die Vater-Sohn-Beziehung konnten die Schockerberg-Gäste so einiges in Erfahrung bringen. S hat der Landrat auf künstlerisch-kreativem Gebiet laut Barnabas nicht unbedingt viele Talente: Beim Tanzen wird er von den Damen gemieden, Theater ist nicht seine Welt. Ausnahme: Singen. „Vom alten Braun haltet’s Euch ferne ­ er kann es nicht, tut’s aber gerne.“

SPD-Landratskandidat Dr. Friedrich Zeller sah Barnabas schon mal nach verlorener Wahl als Winzer am Südhang des Schongauer Stadtberges arbeiten.

Und auch im Singspiel, in diesem Jahr erstmals gestaltet von der Jungen Union, bekam Zeller als „Dr. Z“ ordentlich sein Fett ab. In Anlehnung an Frankenstein schuf Zeller mit Gehilfe „Ibor“ (starke Ähnlichkeit mit dem Schongauer SPD-Vorsitzenden Robert Bohrer) den Kunstmenschen „Gerblstein“, ein tollpatschiges Monster, das für die SPD um „Lady Schongau“ buhlen soll.

Den Schongauer UWV-Bürgermeisterkandidaten Michael Motz machte die JU kurzerhand zum plüschigen „Motzilla“-Monster im (Problem)bären-Kostüm. „Niedlich“ auch der eigene Kandidat, Luitpold Braun jun.: Als „Poldifee“ mit rosa Tütü, Ballerinaschuhen und Haarreif erschien der an der Hand von „Landlord King Lui“, Luitpold Braun sen. (mit tief sitzendem Seitenscheitel, Schnauzer und Trachtenjacke) auf der Bühne. Dass der „Landlord“ schließlich zum Beweis seiner Manneskraft (drei Söhne) auf der Bühne zu James Browns Lied „Sex Machine“ tanzte, nahm der echte „Landlord“, Landrat Luitpold Braun sen., unten im Publikum mit Humor.

Marianne Porsche-Rohrer als gedopte Radlerin, Helmut Schmidbauer als Gen-forschender Wahlkampfberater und Frotzel-Bauer Markus Wühr und natürlich die Stadtkapelle Schongau: Viele haben wieder dazu beigetragen, dass der Schockerberg der Schongauer CSU inzwischen eine Institution ist, die ihresgleichen sucht. Um (sich) abzuheben, braucht’s eben keinen Interkontinentalflug.

Barbara Schlotterer24

Schockerberg 2007

Grantig, griffig, giftig und mit viel Selbstironie gewürzt

Schockerberg 2007 spart nicht mit Eigenkritik

Schongau – Grantig, griffig und giftig: Das Politikerderblecken auf dem Schongauer Schockerberg traf den (Geschmacks-) Nerv des Publikums. Getragen von Luitpold Braun jun. als Bruder Barnabas wie auch als brillanter Stoiber-Parodist, feierten die hauptsächlich CSU-freundlichen Gäste zweimal vor ausverkauftem Jakob-Pfeiffer-Haus die Darsteller. An Selbstironie wurde nicht gespart, über den immerhin noch Landesvater Edmund Stoiber scharf gerichtet, und auch die lokale Politprominenz stand wieder auf der schwarzen Abschussliste.

Gleich zu Beginn wurde kräftig gehubert, denn Pauli(s) gibt es schließlich auch in Schongau. „Doch ist es hier gar keine Frau. Gemeint ist hier der Pauli Huber, ein ganz schlimmer Bube. Der wie die Pauli fast das gleiche sagt, wenn man ihn nach dem Zeller fragt.“

Dem amtierenden Bürgermeister und Landratskandidaten widmet sich Bruder Barnabas natürlich ausgiebigst. „Wenn Zeller gewinnt aus Versehen, und Braun senior muss in Rente gehen, was taten wir denn mit so oam den ganzen Tag bei uns dahoam?“ Deshalb das eindringliche Flehen vom Sohnemann, Entschuldigung, Bruder Barnabas: „Drum Zeller hab ich eine Bitt, gewinnas de Wahl bitte it.“ Auch MdL Renate Dodell (die „der Zeller vielleicht bald im Gnack hat“) kommt nicht zu kurz („so grün waren die Grünen nie“).

Richtig giftig wurde es dann bei der CSU-Kräuterhexe Pauline (Marianne Porsche-Rohrer), die sich „erdreistet, und sich eine eigene Meinung leistet“. Das Pauline (wunderbar gereimt und vorgetragen ganz ohne Skript) mit Zeller eine Konkurrenz ausmacht, ist wenig verwunderlich, doch gibt sie ihm mit: „Mit flotten Sprüchen ganz allein, kann man noch kein Landrat sein.“

Und „Abwehrkraft ist geraten gegen den roten Kandidaten“: Karl-Heinz Gerbl, der „Sozi aus der Nachbarschaft“, hatte es sich mitten im Publikum bequem gemacht, und sah auch nicht aus, als sie ihm seine Rolle als SPD-Kandidat in der Höhle des Löwen sonderlich unangenehm.

Die CSU, allen voran Luitpold Braun jun. In seiner selbst gewählten Doppelrolle als CSU-Gegenkandidat und Prediger, zeigte eine faire kabarettistische Auseinandersetzung mit dem Thema Zeller-Nachfolge: „Dass Sie wollen nach Schongau gehen, kann ich wirklich gut verstehn. Denn zahlen die Hohenfurcher mies, komm nach Schongau, da gibt´s Kies.“

Weitaus weniger einfühlsam dagegen das Singspiel „Poldi Hood in Staffelau Forest“, in dem „Prinz Z“ zwar einige schöne Possen riss, das aber auch ziemlich derb in Richtung Gürtellinie steuerte.

Gehörig rangenommen wurden die Schongauer Nachrichten. „In Schongau ist der Bär los“ oder „JJ2 terrorisiert Schongau“: Um Schlagzeilen wie diese zu bekommen, schickt der Redaktionsleiter (mit den Initialen JJ) seine Reporter los. Der Sport-Redakteur jagt den Problembären durch die Stadt, aber „JJ2“ foppt alle und schnappt sich auch die Bedienung Rosi. Weil die Schongauer Nachrichten einen direkten Draht ins Rathaus haben, naht bald Retter „Z-Man“, der den Bären prompt erlegt. Viele Tränen werden dann seitens „Z-Man“ vergossen, als sich herausstellt, dass sich der Redaktionschef persönlich im Bärenfell verbirgt und nun völlig nutzlos ist für die weitere Wahlkampfmaschinerie. Aber „Gute Freunde kann niemand trennen…“

Schockerberg 2006

Sternenwelt im Krieg – Merkel feiert Sieg

– VON PETRA HORVATH Schongau – Mit voller Wucht steuert Skystolper Edi (Luitpold Braun jun.) in seinem Mini-Raumschiff auf die Bühne zu. Begleitet von Erwin Huber (Thomas Henneke) und Günther Beckstein (Markus Wühr) rebelliert er gegen die Besatzer der Sternenwelt 2006: Darth Vader Gerhard Schröder (Bernhard Hindelang) und seine Crew – Star Wars im Jakob Pfeiffer-Haus. Der „Schockerberg“ der Schongauer CSU muss sich vor dem Politiker-Derblecken in München nicht verstecken. Mit Frotzeleien gegen die Schongauer Lokalprominenz und Attacken gegen Bundespolitiker treiben die Darsteller den Besuchern die Lachtränen in die Augen.

Zweimal ausverkauft Das zehnte Jubiläum des Starkbieranstichs in Schongau brachte eine Neuheit mit sich: Zum ersten Mal wurden die Sketche, Musikstücke und kabarettistischen Einlagen gleich zweimal am Wochenende aufgeführt; die Vorstellungen waren an beiden Tagen mit je 280 Besuchern ausverkauft. Beim Singspiel „Krieg der Sterne“ kämpfen Politiker jeder Couleur gegeneinander. Skystolper Äaaaahhhh…Edi – Double Braun dehnt das Ähhh fast so schön wie das Münchner Original – muss sich nicht nur gegen Darth Vader Gerhard Schröder wehren, sondern auch gegen seine Verbündeten: „Der Huber, der reformiert mir ja das Land zu Tod.“ Schröder selbst streitet mit Angela Merkel (Julia Forster) im Fernsehduell darüber, wer denn nun der Bessere ist. Nach der Melodie des Neue Deutsche Welle Klassikers „Ich lieb` Dich nicht, Du liebst mich nicht“ streiten die beiden um ihre Kompetenz: „Ich bin so gut – Du bist es nicht.“ Unvergesslich das Duett „Angie – Angie“ zur Melodie von „Heidi“, bei dem sich Merkel und Stoiber – begleitet von der Schongauer Stadtkapelle – jodelnd, singend und jauchzend die gegenseitige Treue versprechen. Die örtliche Lokalprominenz musste beim Engel Aloisius (Markus Wühr) dran glauben: Die melkende Annett Eberle wurde ebenso aufs Korn genommen wie die Oide (Lederhose) von Hans Schwarz oder Peter Blüml, der sich den Hochzeitstag von einer Schnake versauen ließ. Weiterhin gab Wühr seine Weisheiten über die zwölf BH-Größen zum Besten: „Bei Größe elf sieht der Mann nun endlich ein, dass seine Hände viel zu klein.“<P>Der Schongauer Pleitevogel Bartholomäus Lechengeier (Helmut Schmidbauer) ließ sich über Bürgermeister Friedrich Zeller und dessen unregelmäßige Arbeitszeiten aus: „Aus Erfahrung weiß ich, im Wahljahr wird der Zeller fleißig.“ Mit herzzerreißenden Keuch- und Husttönen spielte er auch immer wieder auf die Vogelgrippe an: „Adlerrotz und Adlerschneuz, Vogel sein is` heut a` Kreuz.“ Marienplatz Gegen die Schongauer Stadträte, die „fleißig am Studieren“ der Wirtshauswissenschaft sind, stänkerte Dr. Faustus (Marianne Porsche-Rohrer); die Junge Union zeigte in einem Sketch, was denn an einem „Tag am Marienplatz“ so alles passieren kann. 03Über den Marienplatz und die Schongauer Altstadt sinnierte auch Bruder Barnabas, gespielt von Luitpold Braun jun.: „Die Altstadt, die ist Schongaus Schatz, im Zentrum der Marienplatz“, frotzelte Braun. Und weiter: „Der Hans Hartung führt die Touristenschar ins Ballenhaus, wo einst das Leben war.“

Schockerberg 2005

Wer mit Stoiber im Boot sitzt und wer beim Rudern quer schlägt

– VON BARBARA SCHLOTTERER Schongau – Dekadent lümmelt Gerhard Schröder (Bernhard Hindelang) mit hochgekrempelten Armani-Hosen und Zigarre im Mundwinkel in einer aufblasbaren Plastikinsel, die einsam im großen Ozean der Politik hin und her schaukelt – ein Traum in Rot, den die Schwarzen am Samstagabend beim „Schockerberg“ wahr werden ließen. Klar ist: Vor dem Profi-Derblecken in München braucht sich der kleine Schongauer Bruder im Jakob-Pfeiffer-Haus nicht zu verstecken. Nicht nur, dass an so manchem Schongauer wahrhaft ein Schauspieler verloren gegangen ist – das Konzept aus lokalpolitischen Glossen gemischt mit Hieben auf bundespolitischer Ebene ging voll auf.

Das große CSU-Flaggschiff steuern Reform-Huber (Thomas Hennecke), Landrat Luitpold Braun (gespielt von Peter Blüml) und Edmund Stoiber (Luitpold Braun jun.) in Richtung Berlin. Das Motto: „Es gilt ein Schiff zu lenken. Erst handeln und dann denken.“ Statt Fische fängt die CSU Wählerstimmen, und selbst von den drei bezaubernden Sirenen lässt sich Edmund Stoiber – keiner kann Sätze schöner mit einem „Äääähm“ dehnen wie Luitpold Braun jun. – nicht betören. Ein abgewracktes „Huber“-Boot, mit weinender CSU-Stadtrats-Besatzung dümpelt im Meer umher. Nach der Melodie von „My boney is over the ocean“ gibt`s ein Ständchen für den CSU-Chef: „Mein Schongau gehört jetzt den Roten.“ Mit von der Partie auch Markus Wühr als Rita Hennecke; er überzeugte nicht nur durch enorm wogende Kunst-Brüste und hochgeschraubte Haare. Die einhellige Meinung auf dem Stoiber-Schiff: „Beim Rudern schlägt sie manchmal quer, als Gallionsfigur eignet sie sich sehr.“ Lachtränen kullerten zwischen den Starkbierkrügen nicht nur beim Singspiel. Auch bei Struwwelpeter Markus Wühr bekam die Lokalprominenz ihr Fett ab – und das nicht zu knapp. Ob der Ehrenamt-süchtige CSU-Stadtrat Robert Seitz oder der Nordic-walkende Peter Blüml und dessen Gewichtsprobleme: Beim Struwwelpeter wurde geklotzt und nicht gekleckert. Zum Brüllen Zum Brüllen komisch: Markus Wühr mit wild gestikulierenden angeklebten Fingernägeln, Herumgehopse auf der Bühne und schriller Stimme. Den Rhythmus im Blut und das Taktgefühl beiseite gestellt, gab`s noch eine Rap-Einlage mit rhetorischer Frage: „Fühlt sich bei diesem Klatsch jemand verarscht?“ Ihren Sinn für Humor konnten die Betreffenden allerdings meist nicht unter Beweis stellen: Einzig und allein Hans Loth von der UWV hatte sich als Nicht-CSU-Stadtrat zum „Schockerberg“ gewagt, wo auch Kräuterhexe Marianne Porsche-Rohrer nicht mit giftigem Humor und Kritik an roten Früchten geizte. Gerne würde der Schongauer Rathauschef seinen Namen auf der Gehaltsliste der Firma UPM Kymmene sehen – zumindest im Beitrag der Jungen Union, die mit einer Zeller`schen Bürgersprechstunde aufwartete. Zeller rückte samt Parteigenossen auch in den Fokus des Bruder Barnabas (Luitpold Braun jun.), der über die Schließung des Schongauer Amtsgerichts sinnierte: „Mir ham keine Dealer, Tote – höchstens a paar arme Rote – darauf trink` ma einen, Prost!“

Schockerberg 2004

Fastenzeit hin oder her – Politisch gibt`s deftige Kost

VON MICHAEL GRETSCHMANN Schongau – Die Meinungen über „politische Kost“ am Aschermittwoch und in der Fastenzeit gehen weit auseinander. Während CSU-Sprecher Helmut Schmidbauer den Beginn der Fastenzeit als geeignet erachtet, eine Art Bilanz nach den närrischen Tagen zu ziehen, hält Christine Fremmer von der Schongauer Kleinkunstbühne nichts von solchen politischen Kundgebungen „im Bierdunst“.

„Da wird viel geredet und nichts gesagt“, deutet Christine Fremmer, jahrelang Chefin der Kleinkunstbühne, mit Blick auf Passau an. „Solche Großveranstaltungen interessieren mich nicht. Da gibt`s nur Blabla – und rauskommen tut nichts.“

Er sei zwar noch nie bei einer Aschermittwoch-Kundgebung in Passau gewesen, weil an diesem Tag früher nie schulfrei war, doch erwarte er, dass in Passau Bilanz gezogen werde. „Das ist in der Politik nötig“, so Schmidbauer, der davon ausgeht, dass heuer vielleicht auch viele Lehrer in Passau unter den Zuhörern sein werden.

Erwartung aus lokaler Sicht

„Von einem politischen Aschermittwoch erwartet man auch einen Ausblick auf die Zukunft“, so Michael Eberle, einer der drei Stellvertreter im CSU-Ortsverband Schongau. In Schongau selbst mache man an diesem Tag „nie ein großes politisches Fass auf“, sondern man besinne sich mehr auf die Fastenzeit – und da sei das Thema „Gesundheit“ vielleicht mehr angebracht. So gebe es heute Abend in Schongau einen Vortrag über „Anti-Aging – Maßnahmen gegen das Altern“.

Umso deftiger und humorvoller präsentiere sich dann am 6. März der „Schockerberg“, bei dem die Schongauer CSU zum „Derblecken“ ansetze, wie Ortsvorsitzender Luitpold Braun junior (zur Zeit krank im Bett) bestätigen kann.

In die Kategorie „politische Folklore“ stuft der SPD-Vorsitzende Robert Bohrer die Kundgebungen am heutigen Aschermittwoch ein. Mittlerweile seien alle Parteien daran beteiligt. „Ich tue mir das nicht an. Man darf die Aussagen dort nicht so ernst nehmen, sie kommen aber an Stammtischen gut an“, schätzt der SPD-Mann aus Schongau das politische Geplänkel am Aschermittwoch ein.

Trotzdem, der Peitinger CSU-Vorsitzende Norbert Merk verfolgt heute die Ausführungen in Passau mit Interesse, vor allem wie die Parteien mit den Reformbestrebungen umgehen, welche „Verkaufsstrategie“ sie für ihre Politik einschlagen, wobei nach Ansicht von Merk Regionalkonferenzen der bessere Weg wären als solche Großkundgebungen wie in Passau.

Dass „politische Kost“ am Aschermittwoch in der Bevölkerung durchaus ankommen kann, dazu steht Margit Horner-Spindler, die neue CSU-Vorsitzende von Reichling. Dort hat der Politische Aschermittwoch Tradition (über 30 Jahre). „Das Interesse der Bevölkerung ist nach wie vor groß“, so die CSU-Vorsitzende mit dem Hinweis auf den alljährlich vollen Saal im Gasthaus Breitenmoser. Auch heute – bei der Kundgebung mit Landtagspräsident Alois Glück – dürfe man sich in Reichling auf „gute Kost“ freuen.

Schockerberg 2003

CSU schenkt beim Starkbierfest kräftig ein

Mehr als 200 Gäste im Schongauer Jakob-Pfeiffer-Haus / SPD und die eigene Partei werden aufs Korn genommen

Schongau – Gepfefferte kommunal- und bundespolitische Rundumschläge gab die Schongauer CSU am Samstag auf ihrem traditionellen „Schockerberg“-Starkbierfest zum Besten. Mehr als 200 Leute im Jakob-Pfeiffer-Haus hatten ihre helle Freude an dem beliebten Politiker-Derblecken, die Karten waren im Nu ausverkauft gewesen. Die CSU hatte für die Besucher, die mit Schweinshaxen, Krustenbraten und jeder Menge dunklem Gerstensaft versorgt wurden, ein mehrstündiges Programm auf die Beine gestellt.

Es war an Bruder Barnabas alias Luitpold Braun jun., das Gewissen der Zuhörer mit einer Fastenpredigt zu schärfen. Nach der Schröderschen Regierungserklärung sei eindeutig ein Ruck im Lande zu erkennen gewesen, spöttelte er: „Jetzt packt er an, jetzt haut er rein, jetzt ist die Krise gleich vorbei“, reimte er und nahm einen kräftigen Schluck mit den Worten: „Mit einem Wort, es ist ein Graus, deswegen trinken wir unsere Seidel aus“. Auch die eigenen Reihen wurden nicht geschont: der Stoiber habe sich vor den Wahlen das allzu Krachige weg trainiert, um im ganzen Land punkten zu können, so Barnabas. Bei der „Fun- und Radau“ Partei FDP habe dagegen Jürgen „Dabbelju“ Möllemann die Inhalte gesetzt.

Stadträtin Marianne Porsche-Rohrer schlüpfte in ein Zauberlehrlingskostüm und nahm sich das Schwimmbad „Plantsch“ und Bürgermeister Friedrich Zeller vor: Mit dem Spruch „Walle, walle, dass zum Zwecke Gelder fließen“ versuchte sie den Beistand höherer Mächte zu gewinnen. „Und die Moral von der Geschicht‘ als Lehrling bau‘ kein Schwimmbad nicht“, resümierte Porsche-Rohrer.

Schongaus finanzielle Malaise wurde ebenfalls auf die Schippe genommen. Luitpold Braun jun., viel beschäftigter Derblecker im Jakob-Pfeiffer-Haus, fuhr mit einem Kinderroller und rotem Baseballkäppi als Friedrich Zeller über die Bühne und klagte über sein Schicksal. Häuser seien verhökert und Grundstücke durchgebracht worden. „Und dann kommen auch noch die Finnen und kaufen die Fabrik.“ Ein Ausweg scheint jedoch in Sicht: „Dann geh´ ich eben betteln und lauf´ von Tür zu Tür“.

Mit den Schongauer Stadtmusikanten, die ihre Dienste als „Stadtsparstrumpstopfer“ anboten, hielt der große Katzenjammer Einzug. Seitenhiebe auf die finanzielle Not der Nachbargemeinde Peiting, („Da fehlt nur noch das L im Namen“), durften nicht fehlen.

Schockerberg 2002

Super Stimmung

(lk) Das Jakob-Pfeiffer-Haus platzte beim Starkbieranstich der CSU aus allen Nähten. Bereits im Vorverkauf waren alle Karten vergriffen. Erster Höhepunkt war die traditionelle Salvatorrede von Pater Barnabas alias Luitpold Braun junior.

Er sparte beim Derblecken auch den eigenen Bürgermeisterkandidaten Paul Huber nicht aus, obwohl dieser zuvor souverän das Fass angezapft hatte. Dr. Schwindelmeier (Helmut Schmidbauer) betätigte sich dann als Wahlkampfmanager für alle drei Bürgermeisterkandidaten. Das Unterhaltungsprogramm wurde durch den Auftritt von der Ratschkattel (Marianne Porsche-Rohrer), Josephus und Franziskus (Josef Ressle jun. und Franz Andergassen) sowie Waltraud und Michaela (Markus Wühr und Michael Bader) abgerundet. Die Stimmung wurde noch weiter angeheizt, durch die Stadtkapelle Schongau, so dass bereits gegen 22 Uhr der komplette Saal stand. Für eine deftige Brotzeit und kühles Bier sorgte Kantinenwirt Schmid. Dank der Mithilfe der Jungen Union blieb keine Kehle trocken… Die Mitwirkenden Stadtratskandidaten der CSU bedankten sich recht herzlich bei der Stadtkapelle, den „Schauspielern“, dem Wirt, dem Hausmeister und dem spitzen Publikum für das hervorragende Gelingen des Schockerberg 2002.

Schockerberg 2001

Lästereien rund um die Stadtpolitik

Derblecken und Starkbier: „Schockerberg“ der Christsozialen

Schongau (uf) – Zu einer Institution ist inzwischen der „Schockerberg“ geworden, die Antwort der Schongauer CSU auf den Nockerberg. So war es nicht verwunderlich, dass sich die Besucher in den vollbesetzten Ballenhaussaal drängten, um sich beim öffentlichen Derblecken die Fastenzeit mit Starkbier und so manchem Lacher zu versüßen.

Themen gab es genug: Als Spitzenreiter der Lästereien musste das neue Schwimmbad „Plantsch“ herhalten, das vom „Plantschiator“ Helmut Schmidbauer durch den Kakao gezogen wurde, dicht gefolgt vom Umbau des Pfarrheims, das wegen seines geplanten roten Anstrichs schon als neue SPD-Parteizentrale ausgemacht wurde.

Den Höhepunkt des Abends bildeten die zwei bayerischen Engel Josphus und Franziskus alias Josef Ressle und Franz Andergassen, die wohl von einer dicken Salvator-Wolke heruntergestiegen waren, die den Rest des Jahres über dem Schongauer Rathaus zu schweben scheint, um zum allgemeinen Rundumschlag auszuholen. Der neuen Stadtbaumeisterin Gerhild Vonhold rieten sie eindringlich, den Zellerschen Maulkorberlass zu ignorieren, denn:“ Wer von uns hier nicht genannt, der ist bedeutungslos im Land“.

Die örtliche CSU, deren Jahresversammlung samt Vorstandswahl mit „absoluten Abstimmungsergebnissen wie zu Zeiten Erich Honeckers“ glänzte, kassierte mit dem neuen Bürgermeisterkandidaten-Modell so manchen Seitenhieb. Früher hätte man den beiden Kandidaten „an Maßkrug auf g´schlagn; und wer´s überlebt, der wird´s“.

Einen völlig neuen Vorschlag zur Wärme-Rückgewinnung im Hallenbad Plantsch hatte der „Plantschiator“ Schmidbauer für Stadtrat Siegfried Müller parat: „Möglichst viele Kinder ins Wasser lassen.“ Luitpold Braun jun. erschien als „Barnabas“ in langen Unterhosen, der vergeblich versuchte, die von der Stadtkasse erhobene Leihgebühr von 50 Mark für eine Kutte aus dem Hexenspiel-Fundus mit der Versteigerung von ramponierten Alu-Nägeln einzutreiben, um wenigstens nächstes Jahr im standesgemäßen Gewand antreten zu können.

Eine wahre Lachsalve löste Manfred Haslinger als Prof. Josef Birnuber vom Institut zur Förderung des bayerischen Geistes aus, der die Anwesenden umfassen über den „wichtigsten Rohstoff unserer Fremdenverkehrsindustrie“ aufklärte: „Die Preißen“. Besonders von der Gattung der „Trachtenpreuß“ sollen einige Anschauungsexemplare im Saal gesichtet worden sein.

Wohlweislich an den Schluss des Programms gesetzt hatte man Peter Blüml als „Geist vom Bayernwald“, für dessen Witze man schon einen erhöhten Salvatorpegel brauchte. Schließlich ließ die Junge Union mit ihrer Version von „Frauen bei der Bundeswehr“ die Stimmung erneute Höhepunkte erklimmen. Die Stadtkapelle sorgte für gute Laune im Saal und mit Trink- und Schunkelliedern dafür, dass der Salvator in Strömen floss.

DIE BESTEN SPRÜCHE

Dietmar Hörners Ausscheiden als Stadtbaumeister: „Verschont ist jedoch nicht der Bau, den Schaden hat jetzt seine Frau.“

Marienplatz: „ Da wird verzweiflungsorientiert auf Unternehmensberatung reagiert.“

Gnettnerarial: „Bekam den Grüngürtel verliehen, weil auf dem ehemaligen Areal die asiatische Bebauungsdichte noch übertroffen wird“.

BSE: „Beckenbauers Sex-Epilepsie: Lieber Sex mit einer geilen Sau als BSE von einer dummen Kuh.“

Junge Wilde in der CSU: „Der Huber Pauli derf allweil dene zum Geburtstag gratulieren, die die nächste Wahl nicht mehr erleben.“

Hexenspiel: „Die Palastrevolution vom roten Neupfleger hat nach ein paar Wochen zur Selbstausrottung geführt.“

Hallenbad Plantsch: „Bleibe im Lande und plantsche recht redlich in der Bade-Hauptstadt unseres Landkreises“.

UWV: „Die sind gegnettnert worden, hafengemeiert und zuletzt noch gehörnert.“

Luitpold Braun jun.: „Und gewinnt er die Wahl mit nichten, der Papa werd´s schon richten.“

Luitpold Braun sen. (zur Meldodie von „Anton aus Tirol“): „Ich bin so schön, ich bin so braun, ich bin der Liebling aller Fraun.“