Schockerberg 2014

Der Schockerberg wie ein guter, alter Wein

Fotos: www.BSE-Pictures.de

Schongau – Es ging viel um Bier und Ex-Trinken am Wochenende auf dem Schockerberg in Schongau. Das ist beim traditionellen Starkbierfest der CSU auch kein Wunder.

Es ging viel um Bier und Ex-Trinken am Wochenende auf dem Schockerberg in Schongau. Das ist beim traditionellen Starkbierfest der CSU auch kein Wunder. Dabei waren die beiden Abende vor jeweils 300 Gästen wie ein guter Wein: Je älter, desto besser. Denn absolute Höhepunkte waren das Singspiel und die Hohenfurcher Feuerwehrkapelle zum Schluss.

Der Auftakt ging noch völlig daneben: Beim Anzapfen hatte Vize-Bürgermeister Paul Huber so seine Probleme und schlug nach mehreren vergeblichen Versuchen den Zapfhahn in hohen Bogen heraus. „Wir müssen die Veranstaltung leider absagen, schön, dass ihr da wart“, scherzte Michael Eberle, der mit Rosemarie Wölfle durch den Abend führte, aber fast nie reden durfte – die Schongauer Stadtkapelle spielte immer dann zünftig auf, wenn er sich gerade das Mikro geschnappt hatte.

Startschwierigkeiten hatten Huber und sein Kollege Rainer Knäbel danach auch in der Rolle als Fastenprediger-Duo Paulator und Raineritas. Olympia, NSA-Abhörskandal und Alice Schwarzer als Auftaktthemen – bis auf ein eingeschobenes, auf Bürgermeisterkandidat Tobias Kalbitzer gemünztes „bei uns wird nicht auf Ex getrunken, so weit sind wir noch nicht gesunken“ hätten sich viele Besucher lokalere Themen gewünscht. Die kamen dann zwar noch, auch die anderen Bürgermeisterkandidaten wurden bedacht – doch Markus Wühr alias Don Marco konnten sie nicht ersetzen.

Der wollte dieses Jahr keinen so großen Auftritt und beschränkte sich als Luis aus Südtirol auf die Erklärung der Völkerwanderung, warum der Mensch aus Afrika abstammt und er verschiedene Sprachen spricht. Vor allem Wührs nachgeahmte Sprachversuche auf Arabisch, Chinesisch, Russisch oder Österreichisch sorgten für Lachsalven beim Publikum. Bereits zuvor hatte Marianne Porsche-Rohrer als Dr. Alkoholikus, Professor der Bierologie, einen guten Auftritt hingelegt: Wie immer auswendig und in Reimform, berichtete sie von ihren Erfahrungen mit dem Bier und dass dank des Gerstensafts als Kuh-Nahrung der Milchpreis derart in die Höhe geschnellt ist, dass die Bauern plötzlich einen Haufen Geld verdienen.

Doch beim folgenden Singspiel wurde klar: Das ist es, was den Schockerberg ausmacht. Fantasisvolle Kostüme, tolles Bühnenbild und CSU-Mitglieder als Schauspieler, die sich auch selbst auf die Schippe nehmen – die Darbietung kam hervorragend an, weil die Bürgermeisterkandidaten humorvoll durch den Kakao gezogen wurden.

König Karl-Heinz der Lange, meist müde und schlafend dargestellt von Thomas Schleich, tritt ab, die Kandidaten bringen sich – dem Publikum verkündet von Robert Stöhr als Herold – in Stellung. Da ist der Waldschnab (Michael Reith), der irgendwo im Wald als Coach für Baum, Fels und Schwammerl verzweifelt, ehe ihn eine heilige Erscheinung (sein Bruder Pfarrer Wolfgang, gespielt von Andreas Mock) wieder in die Zivilisation schickt und er Kandidat der verzweifelt suchenden UWV wird. Es folgte der Steuermann von Langeweile (Max Bertl), der mit seiner Dutchman und der dominanten Ehefrau (Birgit Österlein) über die Weltmeere segelt und schließlich für die SPD Kurs Schongau nimmt.

Zwist herrscht dagegen bei der CSU des Schwarzen Grafen (Michael Eberle), weil seine beiden Töchter (Anna und Julia Eberle) beide auf den Thron wollen. Die beiden verhauen sich auf der Bühne so lebensecht, dass der Zuschauer fast Angst bekommt. Weil beide schwer verletzt sind, wird kurzerhand Robert Stöhr adoptiert, gespielt vom wie immer sensationellen Luitpold Braun: „Ich bin so schön, ich bin so schlau, ich bin der Robert aus Schongau“, schmetterte er durch das lachende Publikum.

Kurz vor dem Wettstreit taucht noch Tobias Kalbitzer (Florian Stögbauer) auf: „Ich bin ohne Hose, ich bin gut.“ Antwort: „Die rasierten Beine stehen ihm gut.“ Beim Wettstreit unter anderem mit den Disziplinen Probleme-Aussitzen und reden, ohne etwas zu sagen, gab es keinen Sieger – den kürten die Besucher gestern in der Wahlkabine.

Getoppt wurde das Singspiel noch von der Hohenfurcher Feuerwehrkapelle um Jürgen Fischer, die vergangenes Jahr ihre bejubelte Premiere in Schongau hatten: „Gib Schongau wieder in schwarze Hand, schick Gerbl und Verwaltung in Ruhestand“, fingen sie an und legten einen Parforceritt von Gemeinheiten hin, der seinesgleichen sucht. Die Hohenfurcher derbleckten von der Schongauer Stadtkapelle über die Schongauer Nachrichten bis zum Publikum und einzelnen Schongauern nahezu alle und nahmen auch sich nicht aus. Auch die Landratskandidaten mussten dran glauben – als Höhepunkt verkleidete sich Fischer als Andrea Jochner-Weiß und fiel allen busselnd und grüßend um den Hals.

Es war der passende Abschluss für einen tollen Abend, der immer besser wurde – und hoffentlich keinen Kater für die CSU produzierte.

Boris Forstner

Schockerberg 2013

Schockerberg der CSU: A bisserl ärgern schadet nix

Schongau – Voller Saal, grandioses Programm, tolle Stimmung, süffiges Bier und zünftige Blasmusik: Der Schockerberg der Schongauer CSU im Jakob-Pfeiffer-Haus war eine gelungene Veranstaltung.

„Ozapft“ hat – passend zum internationalen Weltfrauentag – die stellvertretende Landrätin Andrea Jochner-Weiß, und das mit so viel Schmackes, dass Bürgermeister Paul Huber sie bremsen musste, sonst hätte sie den Zapfhahn im Fass versenkt. Fastenprediger Markus Wühr als „Don Marco“ hingegen war nicht zu bremsen: Ausgestattet mit Gehörschutz aufgrund seines Orgel-Tinnitus („In der Kirchenbank spürt man den Überdruck in den Ohren, und das mit einer Lautstärke, am liebsten würde Andreas Wiesmann gerne im Altarraum unsere Osterkerze ausblasen!“), spielte Wühr seine Stärken vor allem dann aus, wenn er die regionalen Themen und Aufreger aufs Korn nahm. Sei es der aus Verzweiflung laut schreiende Esel hinterm Feuerwehrhaus („Er ist allein unter den vielen stinkenden Ziegen“), den er seit dem Volkstrauertag als neues Mitglied im Kirchenchor sieht, oder wenn er den „Friseur-Baumschnitt“ zwischen Lechbrücke und Kläranlage als „Biber-Hilfe“ darstellt.

Natürlich bekamen auch die Stadt-Verantwortlichen ihr Fett weg. Den unansehnlichen Fahrradweg nach Altenstadt, den Europakreisel und den zu steilen Weg am Schwanenweiher prangerte „Don Marco“ an. Im Hinblick auf die Zuschüsse für das Schongauer Schwimmbad resümierte er: „Am Geld kann es nicht liegen. Vielmehr liegt es an der Kompetenz.“ Der Höhepunkt der Fastenpredigt war die gesungene „Lesung aus dem Buch des Markt Peiting, aus dem Jahre der großen Wanderschaft“. Dieses „Volk der Gepeinigten“ musste sich eine neue Bleibe suchen, nachdem es vor den Toren der Stadt Schongau abgewiesen wurde, und das geschah so: „Männer und Frauen des Volkes der Gepeinigten, ich habe auf der Südseite des Schloßberges ein Zeichen des Himmels gesehen: eine Liebes-Liege. Männer, bekennt dort Eure Frauen und Frauen, lasst Euch dort von Euren Männern bekennen. Und die Männer bekannten ihre Frauen und wurden sesshaft. Seit dieser Zeit nennt sich das Volk der Gepeinigten Peitinger.“

In bester Reimform, und wie immer völlig frei vorgetragen, brachte Marianne Porsche-Rohrer ihren „Pillefix“ auf die Bühne. Für jeden mischte sie passende Tinkturen, wie für Annette Schavan: „Ach Annette, ach Annette, jeder dacht’, nur Theo hätte, fremdes Wissen sich geklaut, lange hat man Euch vertraut. (…) Mit Mogelei ist endlich Schluss, jetzt kriegst du erst mal Rizinus. Ein halber Liter oder so, das zwingt Dich tagelang aufs Klo. Kannst Dich nicht aus dem Haus bewegen und hast viel Zeit zum Überlegen.“ Doch selbstverständlich bekamen auch die Stadträte ihr Fett weg. „Pillen für die Schweigsamkeit“ verordnete „Pillefix“ Robert Bohrer und Ilona Böse, Peter Blüml bekam „Bärwurztabletten“ und Helmut Schmidbauer „Hopfenpillen“. Auch zur Bürgermeisterfrage hatte Porsche-Rohrer einen medizinischen Rat: „Wählt den, der schwarzes Bier Euch braut. Das rate ich Euch gern und laut. Max Sedlmeier, ja so heißt er, der wär als Brau- und Bürgermeister grad das, was wir im Stadtrat brauchen, denn wenn im Rat die Köpfe rauchen, dann macht man ein Bierfass auf, und schon hört man zu streiten auf.“

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Gestritten wurde auch beim Duo „Grad raus“ alias Alexandra Stiglmeier und Bernhard Huber aus Peiting. Hier ging es zwar weniger um Politik als vielmehr um Missverständnisse zwischen Männer und Frauen, das Problem mit dem „stillen Örtchen“ und der sich vor Toiletten bildenden „Brillenschlange“, die Idee des „Gebiss-Sharings“ und das lustige Zeit-Kontinuum zweier angeheiterter Stammtischbrüder.

Zusehends angeheitert war auch Markus Wühr als „Butler Markus“, der „Miss Eddi“ (Edi Igl) beim „Dinner for one“ bewirtete. Mit am Tisch der Miss saßen Peter Blüml, General Ralf Paul, Rainer Brüderle und Graf Marcus. Sehr nah am Original angelehnt schafften es die beiden gut, die Eigenheiten der imaginären Gäste zu karikieren.

Manchmal ist eine Kopie besser als das Original: Das bewies die Hohenfurcher Feuerwehrkapelle. Mag die Idee von der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ entliehen sein, lieferten die acht Musiker unter ihrem Kommandanten Jürgen Fischer einen Auftritt ab, der jedem im Saal die Lachtränen in die Augen trieb. Wenig charmant, wie es sich für eine „Kapelle, die dicht an der Landkreisgrenze haust, und der es nicht mal vor den Schongauern graust“, gehört, zogen diese richtig vom Leder: „Fehlt’s dem Hohenfurcher an Verstand, begibt er sich auf Schongauer Land, und ärgert sich vor Publikum mit wenig Intellekt herum.“ Jeder wurde derbleckt, Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck für sein mangelndes Interesse am Hohenfurcher Wasserschutz, Landtagskandidat Harald Kühn für seine Milch-Vorliebe und Alexander Do-brindt für seine „Diätenerhöhung“. Vermeintlich nett wurde Michael Eberle vorgestellt: „Vor Stadtrat Eberle, der uns heute rief, verbeugen wir uns tief. Michael Eberle ist der Schönste, der Größte, der Klügste, keiner führt wie er Regie, dieser Fraktionsvorsitzende ist ein Genie, Eberle selber hat uns heut’ gebeten, diesen Standpunkt zu vertreten.“ Landrat Friedrich Zellers „Präsenz-Sparsamkeit“ wurde durch den Kakao gezogen („Er schickt überall hin seine Vize-Landrätin, da gibt’s koa Debatten, Frau Jochner-Weiß, sie stellt ihn im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten“), und schadenfreudig Karl-Heinz Gerbls Wechsel vom Hohenfurcher auf den Schongauer Bürgermeisterstuhl gesehen: „Den Gerbl Karl-Heinz ham mir de Schongauer borgt, nicht ganz uneigennützig, denn für sei Pension habt’s Ihr jetzt g’sorgt.“

Für die größten Brüller hingegen hat die Feuerwehrkapelle aus Hohenfurch gesorgt, auch wenn sie anfangs befürchteten: „Für die Schongauer taugt unser Haufen, und sollt es heut so schlecht laufen, dass wir unseres Beitrags wegen, den Abend hier nicht überleben, ist uns das schnurze-piepe unterm Strich, Hauptsache, die Schongauer ärgern sich.“ Haben sie nicht, denn sonst hätte es für den grandiosen Auftritt Jürgen Fischers und seiner Mannen (und Frauen) nicht den tosenden Applaus am Ende gegeben. Bleibt zu hoffen, dass das nicht der letzte Auftritt der Hohenfurcher in Schongau war, auch wenn sie drohten: „Ladt’s Ihr uns unerwarteterweise nächstes Jahr mea ei, sind wir so frei und haun Euch wieder in d’Pfanne nei.“

Christine Seelig

Schockerberg 2012

Schongauer Schockerberg erklimmt den Olymp

Schongau – Die Schulden-Griechen als Steilvorlage haben den Schockerberg von Schongauer CSU und Junger Union am Wochenende den Olymp erklimmen lassen. Es war eine grandiose Unterhaltung.

Fotos: www.BSE-Pictures.de

Dauernd blauer Himmel, dazu noch die Hitze – „wie kann man da von den Griechen verlangen, dass sie mehr arbeiten und ihre Schulden zurückzahlen?“, fragte sich Don Marco alias Markus Wühr gleich zum Beginn seiner Fastenpredigt. Die Schuldenkrise zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, doch Don Marco kam bei seiner Predigt erst richtig auf Touren, als er weltbewegende Themen wie Fukushima und Energiewende verlassen hatte. So könnte er sich Photovoltaik und ein Windrad gut auf der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt vorstellen: „Wind und Solar, gibt ein gutes Kirchenjahr.“ Wobei, das mit den Windanlagen klappt nicht – die rund 20 Windräder, die Landrat Friedrich Zeller im Landkreis für möglich hält, „die will der Steingadener Bürgermeister Xaver Wörle alle für sich haben“

Für tosenden Applaus sorgte der Fastenprediger bei seiner gesungenen „Lesung aus dem Buch Schongau“ mit der Geschichte von SPD-Stadtrat Heini Forster, der abends auf dem Heimweg von der Gaststätte nach Hause den immer enger werdenden Weg beim Schwanenweiher wählt und plötzlich „Ilona, die Böse, der Engel der Roten“ vor ihm steht. Forster stürzte sich in die nicht vorhandenen Fluten des Schwanweihers, wird aber von seiner Stadtratskollegin errettet, die ihm glaubhaft versichert, dass er von tausenden Blumen getragen wird.

Ebenso sensationell war die Beschreibung des anstehenden Bürgermeister-Wahlkampfs, wenn „Peppo“ Gerbl gegen das doppelte Lottchen der CSU, Christine Sander und Kornelia Funke, sowie die Grünen-Frontfrau Nina Konstantin und Brigitte Ressle von der UWV antreten muss. „Das wird ein richtiger Zickenkrieg. Aber ob die Stuten Chancen haben gegen den ergrauten Ackergaul aus Hohenfurch?“, fragte sich Don Marco.

Marianne Porsche-Rohrer als „Orakel vom Schloßberg“, Helmut Schmidbauer, der in der Rolle des Bazi der Schongauer Nachrichten austeilte, und Eduard Igl mit Markus Wühr bei einem Sketch sorgten für Lacher, ehe es schließlich zum Singspiel „Der Olymp wankt“ ging. Auf dem Götterberg wird selbst Zeus (Maxi Bertl), Dionissios (Oliver Kellermann), Demeter (Birgit Österlein) und Athene (Julia Eberle) trotz allem Feiern („Europa ist Schlaraffia, für uns, die Griechen-Mafia“) langsam mulmig. Dass Zeus und Dionissios gleichzeitig noch Franz-Josef Strauß und Gerhard Schröder verkörpern sollten, kam zwar kaum heraus und wurde auch gar nicht klar. Nur Luitpold Braun als Hermes/Edmund Stoiber legte einen bravourösen Auftritt hin, ebenso wie Merkula (Anna Eberle), die einzige Retterin in der Not.

Zusammen machten sich Stoiber und Merkula auf eine kleine Odyssee, mussten zuerst Silvio Berlusconi (Michael Reith) in den Hades schicken. Zur Melodie von „Ein bisschen Spaß muss sein“ sangen sie in Anspielung auf Frauenheld Berlusconi fröhlich „Ein bisschen Bunga-Bunga muss sein“, bis er Merkula schließlich bereitwillig folgte. Auch Atlas (Robert Stöhr), der die ganze Finanzlast auf seinen Schultern trug, wurde mittels eines CSU-Rettungs(Sonnen-)schirms von seiner Last befreit – zumindest vorübergehend: „Wir hauen ab, lang hält der net“, meinte Hermes. Schließlich wurden noch zwei Bänker, dargestellt von Thomas Henneke und Michael Eberle, von ihrem angehäuften Geld befreit („Das ist alles nur geklaut“), dann wird Merkula umjubelt in den Olymp aufgenommen – ebenso umjubelt war der ganze Abend. Das macht Freude auf das nächste Jahr.

bo

Schockerberg 2011

Schockerberg in Schongau

Schongau – Hintersinnig statt hinterfotzig: Das war der „Schockerberg“ der CSU Schongau auch in diesem Jahr – und mehr als 650 amüsierten Gästen hat das bei Starkbier und Schweinebraten richtig gut gefallen.

Den Spiegel vorgehalten und den Finger in Wunden gelegt – aber nicht zu tief! Beim ersten „Schockerberg“ – das Schongauer Pendant zum Münchner Nockherberg – der CSU Schongau nach zwei Jahren Pause wurde die Lokalprominenz ordentlich aufs Korn genommen. Und zwar, ohne dabei die „Political Correctness“ aus den Augen zu verlieren.

Geschont haben sich die Christsozialen an den zwei „Schockerberg“-Abenden im Jakob-Pfeiffer-Haus dabei auch selbst nicht. Die Wahlen habe man „gegen den sozialistischen Peppone“ verloren, räumte Markus Wühr als neuer Fastenprediger des Schockerbergs, „Don Marco“ im Pfarrersgewand, ein.

Vieles hat Schongau seither erlebt: Bauhofmitarbeiter, die die Madonna im alten Friedhof gelb anmalen, eine doppelte Abstimmung im Stadtrat und einen Bürgermeister, der sich als „Stehauf-Manderl“ verdient gemacht hat, „damit er sich mit den Geschäftsleuten nicht in die Haare bekommt“, predigte Wühr humorvoll neben einem Mariae-Himmelfahrt-Kirchturm aus Pappmaché ins Volk.

Herzhaft lachen konnte man auch ohne zu viel Schockerbock über den „Lurer-Luggi“ vom „städtischen Überwachungsdienst“ alias Helmut Schmidbauer. Der hat für Schongaus Stadtchef die Kameraüberwachung fest im Griff. Und zwar nicht nur in Sachen Sonnengraben, wo auf Veranlassung der Stadt tatsächlich eine Kamera installiert werden soll. Gedanklich richtete Schmidbauer eine weitere Kamera vor dem Rathaus ein, „da ist ab mittags nichts mehr los“. Eine zweite Linse gab es fürs Schongauer Bad „Plantsch“. Und: „So fett wie’s ab und zu in der Sauna zugeht, hab ich immer an Schnaps dabei“, räumte der Lurer-Luggi freimütig ein.

Gefordert waren die Mitwirkenden beim Singspiel mit Western-Atmosphäre. Der Titel: „Unter Geiern“. Vor der Kulisse des Monument-Valley gab es CSU-Cowboys und SPD-Indianer in aufwändigen Kostümen zu sehen. Eine Augenweide: Luitpold Braun jun., ehemals Fastenprediger, der nun in der Rolle eines schwulen Indianers mit gefedertem Lederstrumpfband brilliert hat.

Mit einem angeschossenen Marschall Guttenberg, den sie wieder zu Kräften singen wollen, endet das Spiel. Doch der Abend ist noch lange nicht vorbei. Nach einem tosenden Applaus gibt es noch den ein oder anderen Schockerbock – und garantiert jede Menge Gesprächsthemen.

Barbara Schlotterer-Fuchs

Schockerberg 2009

Sündig süffige Predigt auf dem Schockerberg

Schongau – Seit Jahren ist der „Schockerberg“ in der Lechstadt eine feste Größe wenn es um feinsinnigen, politischen Humor und süffig gebrautes Starkbier geht.

Doch während in den vergangenen Jahren an zwei Abenden Mitglieder der CSU und der Jungen Union (JU) mit Unterstützung der Stadtkapelle Schongau politischen Witz zum Besten gaben und die Schongauer ins Jakob-Pfeiffer-Haus strömten, fiel der Schockerberg in diesem Jahr deutlich kleiner aus. Hintergrund ist der tragische Tod von Diana Ringelsbacher (JU) im vergangenen Herbst, die bei der Vorbereitung und Aufführung eine maßgebliche Rolle gespielt hatte.

In relativ kleinem Kreis sahen CSU-Mitglieder und Gäste noch einmal das Beste aus elf Jahren Schockerberg. Mehrere Filme zeugten von den unvergessen Auftritten von Luitpold Braun junior, der als Edmund-Stoiber-Double brillierte, wie beispielsweise in dem Stück „Der singende Edi“.

Für Stimmung sorgten ebenfalls die Auftritte von Helmut Schmidbauer als „Adler von Schongau“ und die Darbietungen der JU mit der Geschichte über den Poller oder den Problembären „jj2“. Zwar fiel das Singspiel aus, doch Bruder Barnabas – alias Luitpold Braun junior – ließ es sich nicht nehmen und hielt vor rund 60 Gästen, die ins Schongauer Brauhaus gekommen waren, eine Fastenpredigt. Mit gewohnt scharfer Zunge nahm Bruder Barnabas zu aktuellen politischen Ereignissen Stellung: „Was der Schwed hat nicht geschafft, der K&L, der hat die Kraft, der lässt mit seiner Bagger Pranken, die Mauer gar gefährlich wanken“, dichtete er und meinte anschließend, dass die Mauer jetzt wohl hält. Oder? „Doch wenn nicht, tats sichs eh erst jetzt rentiern, no dats den greisligen Bunker zamplanieren“, meinte Barnabas im Hinblick auf die unansehnlichen Discounter, die zu Füßen der Stadtmauer gebaut werden.

Sein Fett weg bekam auch Landrat Dr. Friedrich Zeller, der, so Barnabas, dem Wahlvolk signalisiert hatte, auf einen Dienstwagen verzichten zu können oder höchstens einen Smart zu brauchen. Doch weit gefehlt, befand der Fastenprediger: „Die Wahl vorbei – Genossen, die Siegesfeier. Da kriegt der Landrat dicke Eier. Ein letztes Foto mit Dienstfahrrad – vergessen ist der kleine Smart, billig verscherbelt wird der Benz, dafür kauft er an BMW, der Stenz. Der ist dunkel, sportlich, schee, kost halt leider´s Dreifache“, reimte Barnabas. Und sogar einen Blick über den großen Teich wagte dieser: „Du neuer Heiland, Gottessohn, bestiegst nun endlich deinen Thron, errette uns aus diesem ird´schen Drama, oh Herr, oh Heiland, oh Bama. Uns spend wenigstens mit Bockbier Trost – uns armen, armen Sündern, Prost!“.

Schockerberg 2008

Wer die Wahl hat… wird ordentlich derbleckt

Schongau – Beim „Schockerberg“ hat die CSU Schongau so richtig ausgeteilt. Kredenzt wurde den 650 Besuchern an zwei Abenden bissige Sprüche und Starkbier.

Bisweilen mag sich so mancher Besucher wie auf einem Interkontinentalflug gefühlt haben beim „Schockerberg“. Denn dass sie Stewardess ist, konnte Christine Sander, die charmant durch den Abend führte, nun mal nicht verbergen. Statt Tomatensaft und Bitterlemon aus Plastikbechern gab’s im Pfeifferhaus „Schockerbock“ im Krug und zum Starkbier obendrein starke Sprüche.

Ausgelassen hat Christine Sander bei der Moderation die Beschreibung des Notausgangs und die Information, wo im Ernstfall die Sauerstoffmasken zu finden sind ­ beides hätte der Lokalprominenz oftmals nicht geschadet, die beim politischen Derblecken nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Allerdings: Geschont hat sich die CSU auch selbst nicht. So zum Beispiel Bruder Barnabas. Auch in diesem Jahr hat es sich Luitpold Braun jun. nicht nehmen lassen, in die Kutte des frotzelnden Mönchs zu schlüpfen.

„Für Schongau wär’s kein Schaden, wenn Landrat und Bürgermeister sich mal verstehen taten“, spielte Barnabas auf die als nicht gerade harmonisch geltende Beziehung zwischen Schongaus amtierendem SPD-Bürgermeister Dr. Friedrich Zeller und CSU-Landrat Luitpold Braun an. Über Letzteren -­ im wahren Leben der Vater von Barnabas – und die Vater-Sohn-Beziehung konnten die Schockerberg-Gäste so einiges in Erfahrung bringen. S hat der Landrat auf künstlerisch-kreativem Gebiet laut Barnabas nicht unbedingt viele Talente: Beim Tanzen wird er von den Damen gemieden, Theater ist nicht seine Welt. Ausnahme: Singen. „Vom alten Braun haltet’s Euch ferne ­ er kann es nicht, tut’s aber gerne.“

SPD-Landratskandidat Dr. Friedrich Zeller sah Barnabas schon mal nach verlorener Wahl als Winzer am Südhang des Schongauer Stadtberges arbeiten.

Und auch im Singspiel, in diesem Jahr erstmals gestaltet von der Jungen Union, bekam Zeller als „Dr. Z“ ordentlich sein Fett ab. In Anlehnung an Frankenstein schuf Zeller mit Gehilfe „Ibor“ (starke Ähnlichkeit mit dem Schongauer SPD-Vorsitzenden Robert Bohrer) den Kunstmenschen „Gerblstein“, ein tollpatschiges Monster, das für die SPD um „Lady Schongau“ buhlen soll.

Den Schongauer UWV-Bürgermeisterkandidaten Michael Motz machte die JU kurzerhand zum plüschigen „Motzilla“-Monster im (Problem)bären-Kostüm. „Niedlich“ auch der eigene Kandidat, Luitpold Braun jun.: Als „Poldifee“ mit rosa Tütü, Ballerinaschuhen und Haarreif erschien der an der Hand von „Landlord King Lui“, Luitpold Braun sen. (mit tief sitzendem Seitenscheitel, Schnauzer und Trachtenjacke) auf der Bühne. Dass der „Landlord“ schließlich zum Beweis seiner Manneskraft (drei Söhne) auf der Bühne zu James Browns Lied „Sex Machine“ tanzte, nahm der echte „Landlord“, Landrat Luitpold Braun sen., unten im Publikum mit Humor.

Marianne Porsche-Rohrer als gedopte Radlerin, Helmut Schmidbauer als Gen-forschender Wahlkampfberater und Frotzel-Bauer Markus Wühr und natürlich die Stadtkapelle Schongau: Viele haben wieder dazu beigetragen, dass der Schockerberg der Schongauer CSU inzwischen eine Institution ist, die ihresgleichen sucht. Um (sich) abzuheben, braucht’s eben keinen Interkontinentalflug.

Barbara Schlotterer24

Schockerberg 2007

Grantig, griffig, giftig und mit viel Selbstironie gewürzt

Schockerberg 2007 spart nicht mit Eigenkritik

Schongau – Grantig, griffig und giftig: Das Politikerderblecken auf dem Schongauer Schockerberg traf den (Geschmacks-) Nerv des Publikums. Getragen von Luitpold Braun jun. als Bruder Barnabas wie auch als brillanter Stoiber-Parodist, feierten die hauptsächlich CSU-freundlichen Gäste zweimal vor ausverkauftem Jakob-Pfeiffer-Haus die Darsteller. An Selbstironie wurde nicht gespart, über den immerhin noch Landesvater Edmund Stoiber scharf gerichtet, und auch die lokale Politprominenz stand wieder auf der schwarzen Abschussliste.

Gleich zu Beginn wurde kräftig gehubert, denn Pauli(s) gibt es schließlich auch in Schongau. „Doch ist es hier gar keine Frau. Gemeint ist hier der Pauli Huber, ein ganz schlimmer Bube. Der wie die Pauli fast das gleiche sagt, wenn man ihn nach dem Zeller fragt.“

Dem amtierenden Bürgermeister und Landratskandidaten widmet sich Bruder Barnabas natürlich ausgiebigst. „Wenn Zeller gewinnt aus Versehen, und Braun senior muss in Rente gehen, was taten wir denn mit so oam den ganzen Tag bei uns dahoam?“ Deshalb das eindringliche Flehen vom Sohnemann, Entschuldigung, Bruder Barnabas: „Drum Zeller hab ich eine Bitt, gewinnas de Wahl bitte it.“ Auch MdL Renate Dodell (die „der Zeller vielleicht bald im Gnack hat“) kommt nicht zu kurz („so grün waren die Grünen nie“).

Richtig giftig wurde es dann bei der CSU-Kräuterhexe Pauline (Marianne Porsche-Rohrer), die sich „erdreistet, und sich eine eigene Meinung leistet“. Das Pauline (wunderbar gereimt und vorgetragen ganz ohne Skript) mit Zeller eine Konkurrenz ausmacht, ist wenig verwunderlich, doch gibt sie ihm mit: „Mit flotten Sprüchen ganz allein, kann man noch kein Landrat sein.“

Und „Abwehrkraft ist geraten gegen den roten Kandidaten“: Karl-Heinz Gerbl, der „Sozi aus der Nachbarschaft“, hatte es sich mitten im Publikum bequem gemacht, und sah auch nicht aus, als sie ihm seine Rolle als SPD-Kandidat in der Höhle des Löwen sonderlich unangenehm.

Die CSU, allen voran Luitpold Braun jun. In seiner selbst gewählten Doppelrolle als CSU-Gegenkandidat und Prediger, zeigte eine faire kabarettistische Auseinandersetzung mit dem Thema Zeller-Nachfolge: „Dass Sie wollen nach Schongau gehen, kann ich wirklich gut verstehn. Denn zahlen die Hohenfurcher mies, komm nach Schongau, da gibt´s Kies.“

Weitaus weniger einfühlsam dagegen das Singspiel „Poldi Hood in Staffelau Forest“, in dem „Prinz Z“ zwar einige schöne Possen riss, das aber auch ziemlich derb in Richtung Gürtellinie steuerte.

Gehörig rangenommen wurden die Schongauer Nachrichten. „In Schongau ist der Bär los“ oder „JJ2 terrorisiert Schongau“: Um Schlagzeilen wie diese zu bekommen, schickt der Redaktionsleiter (mit den Initialen JJ) seine Reporter los. Der Sport-Redakteur jagt den Problembären durch die Stadt, aber „JJ2“ foppt alle und schnappt sich auch die Bedienung Rosi. Weil die Schongauer Nachrichten einen direkten Draht ins Rathaus haben, naht bald Retter „Z-Man“, der den Bären prompt erlegt. Viele Tränen werden dann seitens „Z-Man“ vergossen, als sich herausstellt, dass sich der Redaktionschef persönlich im Bärenfell verbirgt und nun völlig nutzlos ist für die weitere Wahlkampfmaschinerie. Aber „Gute Freunde kann niemand trennen…“

Schockerberg 2006

Sternenwelt im Krieg – Merkel feiert Sieg

– VON PETRA HORVATH Schongau – Mit voller Wucht steuert Skystolper Edi (Luitpold Braun jun.) in seinem Mini-Raumschiff auf die Bühne zu. Begleitet von Erwin Huber (Thomas Henneke) und Günther Beckstein (Markus Wühr) rebelliert er gegen die Besatzer der Sternenwelt 2006: Darth Vader Gerhard Schröder (Bernhard Hindelang) und seine Crew – Star Wars im Jakob Pfeiffer-Haus. Der „Schockerberg“ der Schongauer CSU muss sich vor dem Politiker-Derblecken in München nicht verstecken. Mit Frotzeleien gegen die Schongauer Lokalprominenz und Attacken gegen Bundespolitiker treiben die Darsteller den Besuchern die Lachtränen in die Augen.

Zweimal ausverkauft Das zehnte Jubiläum des Starkbieranstichs in Schongau brachte eine Neuheit mit sich: Zum ersten Mal wurden die Sketche, Musikstücke und kabarettistischen Einlagen gleich zweimal am Wochenende aufgeführt; die Vorstellungen waren an beiden Tagen mit je 280 Besuchern ausverkauft. Beim Singspiel „Krieg der Sterne“ kämpfen Politiker jeder Couleur gegeneinander. Skystolper Äaaaahhhh…Edi – Double Braun dehnt das Ähhh fast so schön wie das Münchner Original – muss sich nicht nur gegen Darth Vader Gerhard Schröder wehren, sondern auch gegen seine Verbündeten: „Der Huber, der reformiert mir ja das Land zu Tod.“ Schröder selbst streitet mit Angela Merkel (Julia Forster) im Fernsehduell darüber, wer denn nun der Bessere ist. Nach der Melodie des Neue Deutsche Welle Klassikers „Ich lieb` Dich nicht, Du liebst mich nicht“ streiten die beiden um ihre Kompetenz: „Ich bin so gut – Du bist es nicht.“ Unvergesslich das Duett „Angie – Angie“ zur Melodie von „Heidi“, bei dem sich Merkel und Stoiber – begleitet von der Schongauer Stadtkapelle – jodelnd, singend und jauchzend die gegenseitige Treue versprechen. Die örtliche Lokalprominenz musste beim Engel Aloisius (Markus Wühr) dran glauben: Die melkende Annett Eberle wurde ebenso aufs Korn genommen wie die Oide (Lederhose) von Hans Schwarz oder Peter Blüml, der sich den Hochzeitstag von einer Schnake versauen ließ. Weiterhin gab Wühr seine Weisheiten über die zwölf BH-Größen zum Besten: „Bei Größe elf sieht der Mann nun endlich ein, dass seine Hände viel zu klein.“<P>Der Schongauer Pleitevogel Bartholomäus Lechengeier (Helmut Schmidbauer) ließ sich über Bürgermeister Friedrich Zeller und dessen unregelmäßige Arbeitszeiten aus: „Aus Erfahrung weiß ich, im Wahljahr wird der Zeller fleißig.“ Mit herzzerreißenden Keuch- und Husttönen spielte er auch immer wieder auf die Vogelgrippe an: „Adlerrotz und Adlerschneuz, Vogel sein is` heut a` Kreuz.“ Marienplatz Gegen die Schongauer Stadträte, die „fleißig am Studieren“ der Wirtshauswissenschaft sind, stänkerte Dr. Faustus (Marianne Porsche-Rohrer); die Junge Union zeigte in einem Sketch, was denn an einem „Tag am Marienplatz“ so alles passieren kann. 03Über den Marienplatz und die Schongauer Altstadt sinnierte auch Bruder Barnabas, gespielt von Luitpold Braun jun.: „Die Altstadt, die ist Schongaus Schatz, im Zentrum der Marienplatz“, frotzelte Braun. Und weiter: „Der Hans Hartung führt die Touristenschar ins Ballenhaus, wo einst das Leben war.“

Schockerberg 2005

Wer mit Stoiber im Boot sitzt und wer beim Rudern quer schlägt

– VON BARBARA SCHLOTTERER Schongau – Dekadent lümmelt Gerhard Schröder (Bernhard Hindelang) mit hochgekrempelten Armani-Hosen und Zigarre im Mundwinkel in einer aufblasbaren Plastikinsel, die einsam im großen Ozean der Politik hin und her schaukelt – ein Traum in Rot, den die Schwarzen am Samstagabend beim „Schockerberg“ wahr werden ließen. Klar ist: Vor dem Profi-Derblecken in München braucht sich der kleine Schongauer Bruder im Jakob-Pfeiffer-Haus nicht zu verstecken. Nicht nur, dass an so manchem Schongauer wahrhaft ein Schauspieler verloren gegangen ist – das Konzept aus lokalpolitischen Glossen gemischt mit Hieben auf bundespolitischer Ebene ging voll auf.

Das große CSU-Flaggschiff steuern Reform-Huber (Thomas Hennecke), Landrat Luitpold Braun (gespielt von Peter Blüml) und Edmund Stoiber (Luitpold Braun jun.) in Richtung Berlin. Das Motto: „Es gilt ein Schiff zu lenken. Erst handeln und dann denken.“ Statt Fische fängt die CSU Wählerstimmen, und selbst von den drei bezaubernden Sirenen lässt sich Edmund Stoiber – keiner kann Sätze schöner mit einem „Äääähm“ dehnen wie Luitpold Braun jun. – nicht betören. Ein abgewracktes „Huber“-Boot, mit weinender CSU-Stadtrats-Besatzung dümpelt im Meer umher. Nach der Melodie von „My boney is over the ocean“ gibt`s ein Ständchen für den CSU-Chef: „Mein Schongau gehört jetzt den Roten.“ Mit von der Partie auch Markus Wühr als Rita Hennecke; er überzeugte nicht nur durch enorm wogende Kunst-Brüste und hochgeschraubte Haare. Die einhellige Meinung auf dem Stoiber-Schiff: „Beim Rudern schlägt sie manchmal quer, als Gallionsfigur eignet sie sich sehr.“ Lachtränen kullerten zwischen den Starkbierkrügen nicht nur beim Singspiel. Auch bei Struwwelpeter Markus Wühr bekam die Lokalprominenz ihr Fett ab – und das nicht zu knapp. Ob der Ehrenamt-süchtige CSU-Stadtrat Robert Seitz oder der Nordic-walkende Peter Blüml und dessen Gewichtsprobleme: Beim Struwwelpeter wurde geklotzt und nicht gekleckert. Zum Brüllen Zum Brüllen komisch: Markus Wühr mit wild gestikulierenden angeklebten Fingernägeln, Herumgehopse auf der Bühne und schriller Stimme. Den Rhythmus im Blut und das Taktgefühl beiseite gestellt, gab`s noch eine Rap-Einlage mit rhetorischer Frage: „Fühlt sich bei diesem Klatsch jemand verarscht?“ Ihren Sinn für Humor konnten die Betreffenden allerdings meist nicht unter Beweis stellen: Einzig und allein Hans Loth von der UWV hatte sich als Nicht-CSU-Stadtrat zum „Schockerberg“ gewagt, wo auch Kräuterhexe Marianne Porsche-Rohrer nicht mit giftigem Humor und Kritik an roten Früchten geizte. Gerne würde der Schongauer Rathauschef seinen Namen auf der Gehaltsliste der Firma UPM Kymmene sehen – zumindest im Beitrag der Jungen Union, die mit einer Zeller`schen Bürgersprechstunde aufwartete. Zeller rückte samt Parteigenossen auch in den Fokus des Bruder Barnabas (Luitpold Braun jun.), der über die Schließung des Schongauer Amtsgerichts sinnierte: „Mir ham keine Dealer, Tote – höchstens a paar arme Rote – darauf trink` ma einen, Prost!“

Schockerberg 2004

Fastenzeit hin oder her – Politisch gibt`s deftige Kost

VON MICHAEL GRETSCHMANN Schongau – Die Meinungen über „politische Kost“ am Aschermittwoch und in der Fastenzeit gehen weit auseinander. Während CSU-Sprecher Helmut Schmidbauer den Beginn der Fastenzeit als geeignet erachtet, eine Art Bilanz nach den närrischen Tagen zu ziehen, hält Christine Fremmer von der Schongauer Kleinkunstbühne nichts von solchen politischen Kundgebungen „im Bierdunst“.

„Da wird viel geredet und nichts gesagt“, deutet Christine Fremmer, jahrelang Chefin der Kleinkunstbühne, mit Blick auf Passau an. „Solche Großveranstaltungen interessieren mich nicht. Da gibt`s nur Blabla – und rauskommen tut nichts.“

Er sei zwar noch nie bei einer Aschermittwoch-Kundgebung in Passau gewesen, weil an diesem Tag früher nie schulfrei war, doch erwarte er, dass in Passau Bilanz gezogen werde. „Das ist in der Politik nötig“, so Schmidbauer, der davon ausgeht, dass heuer vielleicht auch viele Lehrer in Passau unter den Zuhörern sein werden.

Erwartung aus lokaler Sicht

„Von einem politischen Aschermittwoch erwartet man auch einen Ausblick auf die Zukunft“, so Michael Eberle, einer der drei Stellvertreter im CSU-Ortsverband Schongau. In Schongau selbst mache man an diesem Tag „nie ein großes politisches Fass auf“, sondern man besinne sich mehr auf die Fastenzeit – und da sei das Thema „Gesundheit“ vielleicht mehr angebracht. So gebe es heute Abend in Schongau einen Vortrag über „Anti-Aging – Maßnahmen gegen das Altern“.

Umso deftiger und humorvoller präsentiere sich dann am 6. März der „Schockerberg“, bei dem die Schongauer CSU zum „Derblecken“ ansetze, wie Ortsvorsitzender Luitpold Braun junior (zur Zeit krank im Bett) bestätigen kann.

In die Kategorie „politische Folklore“ stuft der SPD-Vorsitzende Robert Bohrer die Kundgebungen am heutigen Aschermittwoch ein. Mittlerweile seien alle Parteien daran beteiligt. „Ich tue mir das nicht an. Man darf die Aussagen dort nicht so ernst nehmen, sie kommen aber an Stammtischen gut an“, schätzt der SPD-Mann aus Schongau das politische Geplänkel am Aschermittwoch ein.

Trotzdem, der Peitinger CSU-Vorsitzende Norbert Merk verfolgt heute die Ausführungen in Passau mit Interesse, vor allem wie die Parteien mit den Reformbestrebungen umgehen, welche „Verkaufsstrategie“ sie für ihre Politik einschlagen, wobei nach Ansicht von Merk Regionalkonferenzen der bessere Weg wären als solche Großkundgebungen wie in Passau.

Dass „politische Kost“ am Aschermittwoch in der Bevölkerung durchaus ankommen kann, dazu steht Margit Horner-Spindler, die neue CSU-Vorsitzende von Reichling. Dort hat der Politische Aschermittwoch Tradition (über 30 Jahre). „Das Interesse der Bevölkerung ist nach wie vor groß“, so die CSU-Vorsitzende mit dem Hinweis auf den alljährlich vollen Saal im Gasthaus Breitenmoser. Auch heute – bei der Kundgebung mit Landtagspräsident Alois Glück – dürfe man sich in Reichling auf „gute Kost“ freuen.