Wer die Wahl hat… wird ordentlich derbleckt

Schongau – Beim „Schockerberg“ hat die CSU Schongau so richtig ausgeteilt. Kredenzt wurde den 650 Besuchern an zwei Abenden bissige Sprüche und Starkbier.

Bisweilen mag sich so mancher Besucher wie auf einem Interkontinentalflug gefühlt haben beim „Schockerberg“. Denn dass sie Stewardess ist, konnte Christine Sander, die charmant durch den Abend führte, nun mal nicht verbergen. Statt Tomatensaft und Bitterlemon aus Plastikbechern gab’s im Pfeifferhaus „Schockerbock“ im Krug und zum Starkbier obendrein starke Sprüche.

Ausgelassen hat Christine Sander bei der Moderation die Beschreibung des Notausgangs und die Information, wo im Ernstfall die Sauerstoffmasken zu finden sind ­ beides hätte der Lokalprominenz oftmals nicht geschadet, die beim politischen Derblecken nicht mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Allerdings: Geschont hat sich die CSU auch selbst nicht. So zum Beispiel Bruder Barnabas. Auch in diesem Jahr hat es sich Luitpold Braun jun. nicht nehmen lassen, in die Kutte des frotzelnden Mönchs zu schlüpfen.

„Für Schongau wär’s kein Schaden, wenn Landrat und Bürgermeister sich mal verstehen taten“, spielte Barnabas auf die als nicht gerade harmonisch geltende Beziehung zwischen Schongaus amtierendem SPD-Bürgermeister Dr. Friedrich Zeller und CSU-Landrat Luitpold Braun an. Über Letzteren -­ im wahren Leben der Vater von Barnabas – und die Vater-Sohn-Beziehung konnten die Schockerberg-Gäste so einiges in Erfahrung bringen. S hat der Landrat auf künstlerisch-kreativem Gebiet laut Barnabas nicht unbedingt viele Talente: Beim Tanzen wird er von den Damen gemieden, Theater ist nicht seine Welt. Ausnahme: Singen. „Vom alten Braun haltet’s Euch ferne ­ er kann es nicht, tut’s aber gerne.“

SPD-Landratskandidat Dr. Friedrich Zeller sah Barnabas schon mal nach verlorener Wahl als Winzer am Südhang des Schongauer Stadtberges arbeiten.

Und auch im Singspiel, in diesem Jahr erstmals gestaltet von der Jungen Union, bekam Zeller als „Dr. Z“ ordentlich sein Fett ab. In Anlehnung an Frankenstein schuf Zeller mit Gehilfe „Ibor“ (starke Ähnlichkeit mit dem Schongauer SPD-Vorsitzenden Robert Bohrer) den Kunstmenschen „Gerblstein“, ein tollpatschiges Monster, das für die SPD um „Lady Schongau“ buhlen soll.

Den Schongauer UWV-Bürgermeisterkandidaten Michael Motz machte die JU kurzerhand zum plüschigen „Motzilla“-Monster im (Problem)bären-Kostüm. „Niedlich“ auch der eigene Kandidat, Luitpold Braun jun.: Als „Poldifee“ mit rosa Tütü, Ballerinaschuhen und Haarreif erschien der an der Hand von „Landlord King Lui“, Luitpold Braun sen. (mit tief sitzendem Seitenscheitel, Schnauzer und Trachtenjacke) auf der Bühne. Dass der „Landlord“ schließlich zum Beweis seiner Manneskraft (drei Söhne) auf der Bühne zu James Browns Lied „Sex Machine“ tanzte, nahm der echte „Landlord“, Landrat Luitpold Braun sen., unten im Publikum mit Humor.

Marianne Porsche-Rohrer als gedopte Radlerin, Helmut Schmidbauer als Gen-forschender Wahlkampfberater und Frotzel-Bauer Markus Wühr und natürlich die Stadtkapelle Schongau: Viele haben wieder dazu beigetragen, dass der Schockerberg der Schongauer CSU inzwischen eine Institution ist, die ihresgleichen sucht. Um (sich) abzuheben, braucht’s eben keinen Interkontinentalflug.

Barbara Schlotterer24

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